Ein eLearning-Kurs von Karina von Keitz

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Lerneinheit 2

Gästegruppen und Bedürfnisse

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Kurz­­­beschreibung: 

Unterschiedliche Gästegruppen haben unterschiedliche Bedürfnisse, die es zu berücksichtigen gilt. Dabei gibt es verschiedene Formen von Barrierefreiheit, die grob in die Kategorien SehenHörenMobilität und Kommunikation eingeteilt werden können. In dieser Lerneinheit erfahren Sie, welche Gästegruppen hinter diesen Bedürfnissen stehen und, wie Sie für diese Gruppen die Chance auf einen barrierefreien Aufenthalt erhöhen können.

Gliederung: 

In dieser Lerneinheit erwartet Sie:

  1. Übersicht der verschiedene Bedürfnisse
  2. Barrierefreiheit und “Sehen”
  3. Barrierefreiheit und “Hören”
  4. Barrierefreiheit und “Mobilität”
  5. Barrierefreiheit und “Kommunikation”

Eingangsszenario: 

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Restaurant, das ideal für Hochzeitsfeiern gestaltet ist. Trotz der romantischen Lage und der zeitgemäßen Gestaltung bekommen Sie allerdings immer weniger Buchungen. Woran kann das liegen? Einer der potentiellen Kunden hat kürzlich gesagt, dass seine Oma im Rollstuhl sitzt und nicht auf die Toilette im Erdgeschoss gehen kann. Barrierefreiheit scheint also vielleicht doch ein wichtigeres Thema zu sein als Sie sich bisher eingestehen wollten. Aber ist dem wirklich so? Sie beschließen, sich zunächst einmal mit den Grundlagen zu beschäftigen.

Video:

Zusammenfassung:

Für Rollstuhlfahrer ist die räumliche Barrierefreiheit, die Stufenlosigkeit und große Bewegungsflächen besonders wichtig. Hingegen ist für blinde oder gehörlose Menschen eine sensorische Barrierefreiheit und die Gefahrvermeidung besonders relevant. Sie sehen: Barrierefreiheit kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. Welche Bedürfnisgruppen es gibt und was sie tun können, um die Barrierefreiheit für die verschiedenen Gästegruppen zu erhöhen, erfahren Sie in dieser Lerneinheit.

Grundsätzlich können die Bedürfnisse der Gäste an Barrierefreiheit in vier verschiedene Formen unterteilt werden:

  • Sehen
  • Hören
  • Mobilität
  • Kommunikation


BARRIEREFREIHEIT UND SEHEN

In die Kategorie Sehen fallen Gäste, die in irgendeiner Form unter einer Einschränkung des Sehvermögens leiden. Das können Personen sein, die bereits in jungen Jahren erblinded sind und in der Schule Brailleschrift lernen. Es gibt aber natürlich auch die Menschen, die im Laufe ihres Lebens einen Unfall oder eine Erkrankung hatten und dadurch erblindet sind. Oder es sind einfach nur die Gäste, die ohne Lesebrille Ihre kleingedruckte Speisekarte nicht mehr lesen können. Einer der wichtigsten Aspekte für diese Gästegruppe ist die Unfallvermeidung.


BARRIEREFREIHEIT UND HÖREN

Beim Thema Hören sind Gäste gemeint, die schlecht oder gar nicht hören. Geht es um das Hören, denken wir schnell an Gehörlose, die in Gebärdensprache kommunizieren und schriftliche Informationen benötigen. Es gibt aber auch diejenigen, die lediglich sehr schlecht hören, wie es z.B. oft bei Senioren der Fall ist. Für solche Hörgeräteträger können technische Lösungen wie eine Induktionsschleife hilfreich sein. In Räumen, in denen gleichzeitig viele Menschen sind, ist eine gute Akustik wichtig.


BARRIEREFREIHEIT UND MOBILITÄT

Die Kategorie Mobilität betrifft Gäste, die irgendeine Form der Mobilitätseinschränkung haben und eine stufenlose Umgebung mit viel Bewegungsfläche und breiten Durchgängen benötigen. Möglicherweise kann ein Gast schlecht gehen oder ist auf den Rollstuhl angewiesen. Denken Sie aber auch an Personen mit schwerem Gepäck, mit Kinderwagen oder Rollator.


BARRIEREFREIHEIT UND KOMMUNIKATION

Beim Thema Kommunikation geht es darum, dass Sie Informationen so bereitstellen, dass diese möglichst alle Gäste verstehen. Klassischerweise geht es dabei um leichte oder einfache Sprache, die Gästen mit kognitiven Einschränkungen, Lernschwierigkeiten oder geistiger Behinderung die Aufnahme von Informationen erleichtert. Ein kleiner Hinweis hierzu: Von Sprache ohne Fremdwörter oder verschachtelten Sätzen profitieren auch Kinder und Gäste, die Deutsch nicht fließend sprechen.


Allen Bedürfnissen sofort nachzukommen ist natürlich schwer. Stehen Sie am Anfang, versuchen Sie zunächst, eine ausgewählte Gruppe zu berücksichtigen. Auf welche dieser Gruppen Sie sich spezialisieren, hängt davon ab, für welche Ihr Haus am ehesten geeignet ist. Vielleicht spielt es auch eine Rolle, was es abseits Ihres Betriebs an Angeboten in Ihrem Ort gibt. Denn ein Gast will nicht nur übernachten – er will vor Ort auch essen, trinken und etwas erleben. Wenn Sie sich beispielsweise auf die Gästegruppe der Senioren spezialisieren wollen, sollten Sie sich nicht nur auf einen der Bereiche konzentrieren. In vielen Fällen haben ältere Gäste gleichzeitig mehrere, dafür aber oft leichte, Einschränkungen. 

Überlegen Sie sich außerdem, wie umfassend Sie die Barrierefreiheit in den jeweiligen Bereich herstellen wollen. Sie können natürlich mit kleinen Maßnahmen starten oder Barrierefreiheit direkt nach der DIN-Norm schaffen.

Wer genaue Zahlen zur Größe der Gruppen will, findet Details in der Statistik der schwerbehinderten Menschen. Wenn Sie Ihr Haus für Barrierefreiheit zertifizieren lassen möchten, lohnt sich ein Blick in die Zertifizierungskriterien von Reisen für Alle.

Weiterführende Links:

Die zweite Lerneinheit ist geschafft. Auch hier haben wir einige weiterführende Informationen für Sie:

Ausgangsszenario:

Vielleicht haben Sie nun eine erste Idee, was Sie bei der nächsten Renovierung tun möchten und in welche Richtung die Barrierefreiheit in Ihrem Betrieb gehen soll. In der nächsten Lerneinheit schauen wir uns an, was Sie alles machen können, damit Ihr Betrieb barrierefrei wird.