Ein eLearning-Kurs von Tim Harms (TouristiCon GmbH)

Lerneinheit 1

Grundlagen der Nachfolgesicherung

KURZBESCHREIBUNG

In dieser Lerneinheit lernen Sie die Grundlagen für die Nachfolgesicherung in deutschen Unternehmen kennen. Erhalten Sie einen Überblick, wie sich kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) abgrenzen lassen und warum in der Praxis bei diesen Unternehmen von Familienunternehmen gesprochen werden kann. Des Weiteren muss geklärt werden, was genau eine Nachfolge ist und wann ein Unternehmen überhaupt übernahmewürdig ist. Letztendlich wird auf die Besonderheit von touristischen Unternehmen als Dienstleistungsunternehmen hingewiesen.

GLIEDERUNG

In dieser Lerneinheit erwartet Sie:

  1. Definitionen
  2. Bedeutung von KMU für den Gesamtmarkt
  3. KMU als Familienunternehmen
  4. Wann wird von Nachfolge gesprochen? Wann ist ein Unternehmen übernahmereif und auch übernahmewürdig?
  5. Besonderheiten von touristischen KMU

EINGANGSSZENARIO — 

Die Nachfolge im eigenen Unternehmen ist etwas, was in jedem Fall zu sichern ist. Oftmals, vor allem in Familienunternehmen, wird dieses Thema allerdings entweder als selbstverständlich hingenommen oder dessen Diskussion auf die sprichwörtliche ‚lange Bank‘ geschoben. Das ist erstmal ganz normal, denn aus Sicht der aus dem Unternehmen ausscheidenden Familienmitglieder bedeutet das die Trennung und vor allem die Abgabe von Kontrolle eines wichtigen Lebensbausteins und auf der anderen Seite aus Sicht der eintretenden Mitglieder eine finale Festlegung für die Zukunft. Oftmals werden diese Entscheidungen auch emotional getroffen, obwohl eine genaue Analyse notwendig wäre. Ein erster Überblick hinsichtlich familiengeführter Unternehmen in Deutschland sowie der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Übernahme kann da schon sehr hilfreich sein.

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ZUSAMMENFASSUNG


Was ist ein kleines bzw. mittelständisches Unternehmen?

  • Darunter fallen alle Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten und maximal 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr


Zusätzlich wird unterschieden zwischen:

  • Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und bis 2 Millionen Euro Umsatz pro Jahr
  • Kleinunternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern und bis 10 Millionen Euro Umsatz pro Jahr
  • Mittelständischen Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern und bis zu 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr


Zur Bedeutung von KMU hinsichtlich der deutschen Gesamtwirtschaft im Jahr 2018:

  • 5 Prozent aller Unternehmen sind als KMU zu klassifizieren
  • Diese erwirtschaften 34,4 Prozent des Gesamtumsatzes der deutschen Wirtschaft
  • Sie generieren zusätzlich 57,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten
  • 81,7 Prozent aller Auszubildenden können in KMU gefunden werden

(Quelle: IfM 2016)

 


Laut IfM (Institut für Mittelstandsforschung) waren im Jahr 2014 93,6 Prozent aller deutschen Unternehmen Familienunternehmen. Dies sind Unternehmen, bei denen die Eigentums- und Leitungsrechte bei einer oder mehr Personen aus einer Familie liegen (Quelle: IfM 2020). Damit wird für diese Lerneinheit von Familienunternehmen ausgegangen.

Von Nachfolge wird in einem Familienunternehmen immer dann gesprochen, wenn ein Unternehmen einen Führungswechsel erlebt, welcher durch den oder die Eigentümer ausgelöst wird. Aber nicht alle Unternehmen werden auch übernommen. Nur ca. 20 Prozent aller familiengeführten Unternehmen gelten generell als übernahmewürdig. Übernahmewürdig bedeutet, dass mit der Übernahme des Unternehmens ein Gewinn zu erwarten ist, der höher ist, als der durch die Neugründung eines Alternativunternehmens oder durch die Arbeit in einem Angestelltenverhältnis. Der durch das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) ermittelte Mindestgewinn für die Zeitspanne von 2018 bis 2022 liegt bei 58.422 Euro (IfM 2018, S. 9). Im selben Zeitraum gelten 700.000 Familienunternehmen in Deutschland als übernahmewürdig. Letztlich muss ein Unternehmen aber auch übergabereif sein. Dies sind Unternehmen dann, wenn die Nachfolge innerhalb der nächsten fünf Jahre innerhalb des Unternehmens ansteht. Für den Zeitraum 2018-2022 war dies bei 150.000 deutschen Familienunternehmen der Fall.

Für touristische Familienunternehmen ergibt sich allerdings zusätzlich eine besondere Situation, denn bei den meisten im Tourismus agierenden Familienunternehmen handelt es sich um Unternehmen, die der Dienstleistungsbranche, genauer der personenbezogenen Dienstleistungsbranche zuzurechnen sind. Diese sind generell eher personalintensiv und damit weniger gewinnbringend, als andere Branchentypen. So verwundert es nicht, dass trotz einem Anteil von 25,5 Prozent der personenbezogenen Dienstleistungen an der Gesamtwirtschaft Deutschlands nur 11,3 Prozent der zur Übernahme anstehenden Unternehmen zwischen 2018 und 2020 eben dieser Gruppe zuzuordnen sind. Damit besteht in der Nachfolgesicherung touristischer Familienunternehmen eine besondere Herausforderung.

 

WEITERFÜHRENDE LINKS

Sie haben noch nicht genug? Dann sehen Sie sich doch diese weiterführenden Informationen an:

AUSGANGSSZENARIO

Dieser erste Einblick in die Welt der Nachfolge von Familienunternehmen zeigt uns, dass besonders touristische Unternehmen als personenbezogene Dienstleistungsunternehmen oftmals vor einer schwierigen Nachfolgesituation stehen. Es benötigt somit einen möglichst strukturierten und strategischen Ansatz zur erfolgreichen Nachfolgesicherung. Gleichzeitig sind Übergabe und Übernahme bisweilen sehr persönliche Vorgänge, die allen Betroffenen einiges abverlangen. Genau mit diesem Thema beschäftigen wir uns in der zweiten Lerneinheit.