Ein eLearning-Kurs von Tim Harms (TouristiCon GmbH)

Lerneinheit 2

Herausforderungen und Anforderungen

KURZBESCHREIBUNG

Die folgende Lerneinheit beschäftigt sich mit den persönlichen Voraussetzungen seitens des Übergebenden, sowie des Nachfolgers. Die Themenschwerpunkte bilden das psychologische Problem des Loslassens und die Notwendigkeit führen zu wollen sowie die Anforderungen an die Qualifikation des Nachfolgers.

GLIEDERUNG

In dieser Lerneinheit erwartet Sie:

  1. Der Übergebende: Das psychologische Problem des Loslassens
  2. Der Nachfolger: Die Notwendigkeit führen zu wollen
  3. Anforderungen an die Qualifikation des Nachfolgers

EINGANGSSZENARIO — 

“Bei keinem anderen Muß-Thema im Leben eines Unternehmers spielen die Emotionen, Ängste, Ungewissheiten und eventuell auch Rivalitäten eine so große Rolle wie gerade bei der Frage der eigenen Nachfolge.“ (Habig 2004, S. 45). Für den Unternehmer wird klar, dass sich sein Einfluss auf das Lebenswerk dem Ende nähert. Doch er muss loslassen um den Unternehmensfortbestand final abzusichern. Für den Nachfolger gilt, dass dieser neben der notwendigen Ausbildung vor allem eines haben muss: Den Willen ein Unternehmer zu sein. 

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ZUSAMMENFASSUNG

 

Übergebende: Das psychologische Problem des Loslassens

Kaum ein Thema ist von solcher Wichtigkeit, wie die Regelung der Nachfolge in einem Unternehmen. Dies gilt besonders für familiengeführte Unternehmen. Lediglich 50 Prozent der Unternehmen erfahren eine geregelte Übernahme aufgrund eines geplanten Ruhestands (Habig 2004, S. 45). Vielmehr muss jeder Unternehmer ebenfalls auf die realistische Chance eines notwendig werdenden Übergangs aufgrund von Krankheit oder Tod, bzw. weiteren unvorhersehbaren Gründen wie z.B. eine Scheidung vorbereitet sein. Der Unternehmer kommt also keineswegs darum herum sich möglichst früh und dauerhaft mit dem Thema der Nachfolge zu beschäftigen. Prinzipiell lässt sich allerdings bei vielen Unternehmern genau dafür nur eine verminderte Bereitschaft feststellen. Es handelt sich innerhalb der Familie oft gar um ein Tabuthema. Die Gründe hierfür sind subjektiv und grundverschieden:


1. Die Identifikation mit dem Unternehmen
Prinzipiell gilt, dass je stärker die Identifikation des Unternehmers mit dem eigenen Unternehmen ausgeprägt ist, desto schwieriger fällt das Loslassen. Dieses sollte daher auch nicht abrupt geschehen. Vielmehr ist ein Übergangsprozess angeraten, in welchem der Unternehmer stufenweise Kompetenzen an den Nachfolger oder die Nachfolgerin abtritt und sich zur Kompensation beispielsweise externen Aufgaben widmet, die einen Übergang in den neuen Lebensabschnitt erleichtern. Eine Grundvoraussetzung für den schrittweisen Rückzug ist, dass der Unternehmer das Unternehmen nicht zu sehr auf sich selbst zuschneidet und damit de facto unentbehrlich wird. 


2. Befürchtung eines Bedeutungsverlustes in der Öffentlichkeit
Ein oft zu beobachtendes Phänomen ist die Verknüpfung des eigenen Selbstwertgefühls an den Erfolg des Unternehmens. Vielfach wird mit dem Ausscheiden aus dem Unternehmen befürchtet, dass das gesellschaftliche Ansehen hierdurch gemindert wird. Dies ist allerdings in den meisten Fällen unbegründet, da das Ansehen für gewöhnlich an die Person und nicht an die Funktion geknüpft ist. Ein ehrbarer Unternehmer, der sein Unternehmen als noch aktiver Geschäftsführer zum Erfolg geführt hat, wird auch im Ruhestand mit demselben Ansehen betrachtet werden, wie noch zu aktiven Zeiten. Dies zu realisieren fällt aber oftmals schwer.


3. Angst vor Nutzlosigkeit und Überflüssigkeit
Ein sehr subjektives aber häufiges Problem des Loslassens ist die Angst keinen Nutzen mehr zu erfüllen oder auch alleine zu sein. Trifft dies zu, ist es wichtig, dass sich der Unternehmer frühzeitig um andere fordernde und erfüllende Aufgaben außerhalb des Unternehmens kümmert. Beispiele hierfür sind Vereinstätigkeiten, das Ehrenamt oder soziales Engagement. Auch das Pflegen von Freundschaften außerhalb des Unternehmens ist dringend angeraten.


4. Angst vor finanziellen Einbußen oder Abhängigkeiten
Um entsprechenden Problemen vorzubeugen ist eine frühzeitige Planung des Ausstiegs aus dem Unternehmen vorzunehmen. Hier stehen verschiedene Modelle der Finanzierung des Lebens im Alter zur Verfügung, die in den kommenden Lerneinheiten behandelt werden. Neben einer betrieblichen Lösung sollte aber jedem Unternehmer angeraten sein, bereits zu aktiven Zeiten privat für den Lebensabend Vorkehrungen zu treffen.


Zusammenfassend kann gesagt werden, dass je früher und zielgerichteter sich der Unternehmer auf die Zeit nach der Unternehmensführung vorbereitet, desto besser wird Nachfolge funktionieren.

 

Der Nachfolger: Die Notwendigkeit führen zu wollen
Für einen möglichen Nachfolger gilt: Dieser muss auch führen wollen. Wer nicht führen möchte, wird auch kein guter Unternehmer werden. Gleichzeitig ist aber auch nicht jeder motivierte Nachfolgekandidat eine geeignete Führungskraft, eine Begabung hierzu kann man nicht lernen.
Neben der Veranlagung spielt die Erziehung eine wichtige Rolle. So sollten die Kinder früh die Gelegenheit erhalten sich nach eigenem Interesse mit dem Familienunternehmen zu beschäftigen. Gleichzeitig sollte die Nachfolge niemals unter Zwang, aufgrund von Tradition erfolgen. Das Eintreten in das Unternehmen sollte freiwillig erfolgen.

 

Anforderungen an und Qualifikation des Nachfolgers
Neben dem Willen zu führen benötigt der Nachfolger selbstverständlich bestimmte fachliche sowie persönliche Voraussetzungen. Zu den fachlichen Qualifikationen zählen unter anderem: Das Wissen um Problemlösungsstrategien, Organisationsfähigkeit und Planungswissen aber auch entsprechendes Basiswissen der Betriebswirtschaftslehre. Diese können auf unterschiedlichste Weise, je nach Anforderungen des Betriebes, in Form von Ausbildung und Studium verschiedenster Studiengänge erworben werden. Ein Patentrezept beispielsweise für das richtige Studium gibt es nicht. Zu den fachlichen Voraussetzungen kommen letztlich die Persönlichen. Zu diesen gehören neben einer gewissen Risikobereitschaft, die Fähigkeit zu führen, Leistungswillen, die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, unternehmerische Weitsicht und strategisches Denken. Letztendlich handelt es sich bei dem Prozess der Aneignung der notwendigen Fähigkeiten um einen Prozess des lebenslangen Lernens. Je nach Charakter des möglichen Nachfolgers mag sich nach der Zeit der Formalausbildung auch eine gewisse Zeit in einem anderen Unternehmen derselben Branche als hilfreich erweisen. Hier kann der potentielle Nachfolger grundlegende Erfahrungen sammeln, ohne das Hierarchiesystem im eigenen Unternehmen durcheinanderzubringen.

 

WEITERFÜHRENDE LINKS

Sie haben noch nicht genug? Dann sehen Sie sich doch diese weiterführenden Informationen an:

    • Buchtipp – Die Nachfolge im Familienunternehmen ganzheitlich regeln: Hier klicken
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AUSGANGSSZENARIO

Die Herausforderungen bei der Unternehmensnachfolge sind, wie wir sehen, mannigfaltig. Es gilt dem Übergebenden die Übergabe so gut es eben geht zu erleichtern und den potentiellen Nachfolger oder die Nachfolgerin so aufzubauen und zu motivieren, dass dieser oder diese den kommenden Aufgaben auch gewachsen ist. Dazu benötigt es eine gute Vorausplanung, die letztlich konsequent umgesetzt wird. Mehr dazu erfahren Sie in der nächsten Lerneinheit.